Irland 2007

Als wir 2005 auf Irland waren – mit dem Auto immer der Süd- und Westküste entlang – durchstreiften wir auch Connemara. Irgendwann 2 Jahre später spielte ich mit dem Gedanken eine Radreise zu machen und dachte sofort an diese wilde, urtümliche und abweisende Landschaft, ganz im Westen von Irland. Dort, wo kleine Sträßchen die Moore durchschneiden und unzählige Schafen die Bergenhänge dekorieren.

Rene, mit dem ich schon in Nepal war, wollte schon immer mal nach Irland. Perfekt! Mitte August sitzen wir wieder im Flieger nach Dublin, wo unsere Radreise beginnt und endet. Dazwischen liegen 1500 km herrlich abwechslungsreiche Landschaft, gemütliche Pubs, zum niederknien freundliche Menschen und natürlich viel Schweiß …

Da wir uns beide sehr für den Nordirlandkonflikt interessieren, wollen wir uns Belfast nicht entgehen lassen. Nördlich der Geburtsstadt der Titanic beginnt die Coast of Antrim. Kleine Küstensträßchen schwingen zwischen dem Meer und kleinen Hügeln hin und her, ziehen ins Landesinnere um später wieder zur Küste zu stoßen. In kleinen Dörfern füllen wir unseren Proviant auf und verbringen die regnerischen Abende in gemütlichen Pubs. Der erste Höhepunkt von vielen stellen die Glens of Antrim dar und am nordöstlichsten Zipfel können wir Mul of Kintyre, die von Paul McCartney so schön besungene schottische Halbinsel entdecken. In Bushmills, dort wo der beliebteste irische Whiskey gebrannt wird, besichtigen wir den Giants Causeway an einem stürmischen und verregneten Vormittag. Ganz ohne die sonst üblichen Touristenströme können wir diese Laune der Natur ganz allein entdecken.

In Derry – die Republikaner verweigern noch heute den Namen Londonderry, der Name der Briten – fand der Nordirlandkonflikt seinen Höhepunkt. Hier wurden 1972 am Bloody Sunday 14 Zivilisten von britische Soldaten ermordeten. Die Stadt fasziniert besonders durch die Geschichte und die berühmten Wandmalereien an der Bogside. Das Land ist auch heute noch in den Köpfen getrennt. Ganz besonders spürt man dies in Derry.

Wir pedalieren weiter zur Ostküste und bleiben in Westport hängen. Das herrliche Städtchen, mit den urrigen Pubs und kunstvoll verzierten Sträßchen an der Küste von Mayo, gilt als Hauptstadt der irischen Volksmusik. Wie schon 2005 haben wir das Glück bei einer authentischen Folksession im Hinterzimmer eines kleinen Pubs unser Guinness schlürfen zu dürfen.

That looks like a great idea! (Aussage eines Amerikaners als er uns auf unseren vollbepackten Rädern in Westport sah)

Hinter Westport beginnt die große Leere – Connemara. Die Twelve Bens inmitten dieser wilden Region sehen aus als hätte noch nie jemand auf dem Gipfel gestanden. Europas bester Lachs schwimmt in den unzähligen Flüssen und an der Küste wechseln sich raue Klippen mit weißen Sandstränden ab. Die wenigen Menschen die man hier trifft sprechen meist Gälisch und sind oft mit Torfstechen beschäftigt. Kleine Sträßchen winden sich an den, mit Schafen übersäten, Berghängen vorbei und müssen immer wieder den fjordähnlichen Seen ausweichen.

In Galway sehen wir ein, dass wir zurück nach Dublin müssen. In einem 250 km Marathon radeln wir einmal quer durch die grüne Insel. Durch das Land der Regenbögen.

 

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