Marokko 2008

Daniel würde gern zum Surfen nach Marokko, ich gern eine Radreise durch das nordafrikanische Land machen. Nun, wir sind kompromissbereit und planen einen kurzen Roadtrip durch das arabisch geprägte Land mit Bergtouren im Hohen Atlas.

Der Flieger landet in Marrakesh und entlässt uns in eine andere Welt. Wir wollen so schnell wie möglich raus aus der Stadt und verfahren uns mit dem Mietwagen erstmal in selbiger. Wir finden bald die richtige Straße, fahren durch eine staubtrockene Berglandschaft und finden einen nette Unterkunft hinter dem Tizi-n-Tichka. In den nächsten Tagen besuchen wir das Aït-Ben-Haddou, das Dades-Tal, die Straße der 1000 Kasbahs und fahren auf abenteuerlichen Straßen durch die Halbwüste ehe wir noch eine Bergtour im Gebirge des Djebel Sarhro unternehmen.

Doch das sollte nur als Auftakt zur zweitäigen Besteigung des höchsten Berges von Nordafrika bis zum Kilimandscharo dienen. Im Bergdörfchen Imlil startet die Tour und wir schließen uns mit zwei freundlichen Holländerinnen zusammen. Die beiden haben in einem Magazin ein Bild vom Hohen Atlas gesehen und sich wie wir auch in den Kopf gesetzt den  Djebel Toubkal (4167 m) zu besteigen. Allein ihre Anreise mit Zug, Schiff, Bus, Taxi und schlussendlich zu Fuß von Amsterdam bis Imlil ist eine Erwähnung wert.

Wir lassen uns also von aufdringlichen „Bergführern“ nicht beirren und starten die Besteigung auf eigene Faust. Mit einer überteuerten Karte, die es nicht gebraucht hätte. Denn das Tal zieht sich ohne Abzweig stetig bergauf bis man schließlich bei der Neltner Hütte auf 3200 m ankommt. Nach einer eiskalten Nacht starten wir früh durch eine verschneite Landschaft. Wie widersprüchlich die Kälte doch zu den letzten Tagen ist. Während die Tour normalerweise nicht schwierig ist, geht der tiefe Schnee an die Kondition und am Gipfelhang kommen wir uns vor wie bei einer Winterexpedition. Den Normalweg haben wir sowieso nicht mehr gefunden. So lasse ich kurz vor dem höchsten Punkt meinen schweren Rucksack im Schnee zurück und steige die letzten Meter überwältigt auf den einsamen Gipfel. Die anderen folgen sogleich und wir genießen die Aussicht ins mediterrane Tiefland und in die Sahara auf der anderen Seite. Wir machen uns bald an den Abstieg und nach dem obligatorischen Minztee auf der Hütte wandern wir zurück bis nach Imlil und fahren schließlich in Richtung Marrakesh.

Nun folgt das absolute Kontrastprogramm und wir stranden in der von Trubel und aufdringlichen Tourifängern geprägten Altstadt. Wir finden ein schönes Riad für die Übernachtung und verbringen noch 2 Tage in engen Marktgassen, an Orangensaftständen, in Moscheen und – ein echtes Highlight – bei den Gauklern und Essensständen auf dem nächtlichen Djemaa el Fna. Das ist absolute Erlebnisgastronomie. Und wenn 5mal am Tag die Gebetsgesänge über der Stadt liegen dann kommt man sich vor wie in einem orientalischen Märchen.

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