Sikkim/Nepal 2010

Der Flughafen von Bagdogra ist nicht wie man sich einen internationen Flughafen vorstellt. Eher wie ein Provinzbahnhof inmitten eines kleinen Dorfes. Anja, Silke, Aline und ich verlassen das baufällige Terminal und befinden uns plötzlich schwitzend in einer indischen Kleinstadt in Westbengalen, am Fuße der Himalayavorberge, ca. 60 km von Darjeeling entfernt.

Schon bald sitzen wir in dem bequemen Geländewagen unseres Guides Nilam. Müde sind wir vom Flug, aber können doch nicht schlafen. Ich kurbel das Fenster runter – dieser Geruch, das Chaos auf den Straßen, das Gehupe und der Dunst in der Luft – einfach unvergleichlich.

Bald steigt die Straße steil an und wir erreichen Darjeeling, eine ehemalige Kolonialstadt der Briten. Hierher haben sie sich zurück gezogen, wenn es im Sommer in der Ebene zu heiß wurde. Hier konnten sie auch ihrer liebsten Beschäftigung fröhnen. Darjeeling ist weltbekannt für seinen Tee.

In den nächsten Tagen schlendern wir über den großen Markt (immer wieder ein großer Spaß in Asien), besuchen eine Kolonie tibetischer Flüchtlinge, berühmte buddhistische Klöster, Teeplantagen und andere Attraktionen. Aber einmalig – ganz besonders vom Tiger Hill auf 2590 m – ist der Anblick des Kangchendzönga. Der dritthöchste Berg der Erde ragt bei gutem Wetter wie ein weißer Riese über die grünen Hügel Sikkims in den Himmel. Heerscharen von Indern und nur wenige europäische Touristen pilgern hierher um den Sonnenaufgang zu bewundern.

Bald fahren wir wieder vorbei an Teeplantagen, Berg rauf und runter, über die Grenze zu Sikkim. Sikkim, bis in die 1970iger Jahre eigenständiges Königreich und nun Bundesstatt von Indien, ist nahezu komplett bewaldet. Urwaldmäßig, bis hoch zu den Gipfeln der Vorberge. Ein schöner Kontrast zu den immer wieder auftauchenden 6000er und 7000er am Horizont.

Wir durchleben kurzweilige Tage auf diesem wundervollen Stück Erde. Über unzählige Berge fahren wir von Dorf zu Dorf. Zwischendurch haben wir immer wieder Zeit für Besichtigungen und bekommen von Nilam viel Wissenswertes vermittelt. Klöster, Märkte, kleine Dörfer, einfache Handwerksbetriebe, schöne Unterkünfte und immer wieder der Blick in das Himalaya. Dazu eine Prise Geschichte. Denn Sikkim haben die Briten schon früh als strategisch wichtigen Punkt in ihrem Kolonialreich ausgemacht. Hier an der Grenze zu Tibet gab es früher Ärger mit den wilden Tibetern und noch nicht allzu lang her, mit den Chinesen. Von hier sind in den 1920iger Jahren die ersten Everestexpeditionen gestartet als Nepal noch geschlossen war. In Darjeeling hat man damals die besten Träger angeworben. Sikkim hat uns eine wundervolle Woche voller Kultur, gutem Essen und abwechslungsreichen Kurzwanderungen bescherrt.

Nun ist es Zeit in Richtung Nepal aufzubrechen. Hinter der Grenze, die wir mit dem Fahrzeug überqueren, erwartet uns die Familie von Durga in Surunga. Wir sind für eine Nacht Gast im Hause der Familie und im Dorf das wohl selten Touristen zu sehen bekommt. Wir werden wie Trophäen herum geführt. Es ist so stickig schwül im Tiefland von Nepal, dass man selbst in der Nacht noch schwitzt. Momentan ist das traditionelle Tika-Festival und wirklich jeder ist bei seiner Familie. Und die sind groß. Bis zu 4 Generationen leben in einem Haus und wir haben das Glück mit diesen freundlichen Menschen 2 Tage zu verbringen. Wir werden sprichwörtlich in die Familie integriert. Zwischendurch wird es mir etwas zu viel. Denn Privatssphäre ist hier fremd.

Abi fährt uns zum Flughafen in Bhadrapur und wir fliegen nach Kathmandu. Während wir uns auf das Trekking im Langtag Himal vorbereiten durchstreifen wir die Stadt und besichtigen einige touristische Attraktionen.

Doch bald ist es Zeit für die Berge. Unser Guide Chitra und die Träger für die nächsten Tage stehen schon bereit. Wir fahren bis zum Ende einer befestigten Straße ein paar Kilometer nördlich von Kathmandu. Hier startet unser Trekking. Die dramatische Aussicht fehlt anfangs noch. Trotzdem ist es ein wahrer Genuss über die grünen Hügel und durch kleine Bergdörfer zu wandern. Unsere Mannschaft hat Küchenzeug und Zelte für uns dabei, aber trotzdem werden wir bis zum Schluss in Lodges übernachten. Mit unseren jungen Trägern werden wir uns in den nächsten Tagen anfreunden und viel Spaß miteinander haben.

Alles zu beschreiben wäre an dieser Stelle nicht möglich. Das Trekking in Helambu und Langtang ist sehr abwechslungsreich und findet am Laurebina Pass auf 4650 m seinen Höhepunkt. Die Lodges sind weiter unten grundsätzlich besser als oben. Wir haben kurz vor dem Pass nochmal eine Zwischenübernachtung auf einer wenig touristschen Hütte eingelegt. Obwohl es eigentlich nur ein Stein- und Betterverschlag mit Plastikplanen vor den Fenstern ist hatten wir hier jede Menge Spaß.

Die heiligen Seen von Gosainkund nach dem Pass sind ein weiteres Highlight der Tour. Welche geologische Laune der Natur hier oben Seen entstehen ließ ist mir ein Rätsel. Nach den Seen und einer kleinen Gipfelbesteigung über den Hütten bekommen wir einen wahrlich himmlischen Ausblick. Von der Annapurna, Manaslu über Ganseh Himal bis nach Tibet reicht der Blick. Mit atemberaubenden Höhenunterschieden vom Tal bis zum Gipfel und dem allesüberagenden Langtang Lirung ist dies wirklich ein magischer Platz. In der Sonne genehmige ich mir später mit Chitra ein Bier. Und 1 Bier reicht auf 4000 m.

Die letzte Nacht verbringen wir etwas oberhalb von Syabru Besi in einem kleinen Dorf ehe wir wieder auf eine Straße treffen. Die 100 km Busfahrt nach Kathmandu werden wir aber nie vergessen. 10 Stunden schleichende Quälerei, oft nur Zentimeter vom Abgrund entfernt. Der Bus ist ein einziges Wrack.

Nocheinmal genießen wir ein paar Tage in Kathmandu und Bhaktapur einer der 3 Königsstädte im Kathmandutal. Es ist gerade Reisernte und die gesamte Altstadt ist damit beschäftigt.

Eine abwechslungsreiche Reise nach Nepal und Sikkim geht zu Ende. Am Flughafen werden wir noch von unserem Freund Abi in das altersschwache und total überfüllte Terminal von Kathmandu begleitet und dann uns selbst überlassen. Auf dem Rückflug in Richtung Dheli gibt es dann aber dann doch noch etwas zu erwähnen. Eine Bombensicht auf die Himalayakette bis ins tibetische Hochland lässt sogar den Piloten staunen. So etwas gibt es wirklich selten. Gutes Karma eben.

 


Sikkim Rundreise


Langtang Trekking

One Response to Sikkim/Nepal 2010

  1. Joerg says:

    Wow !!

    Vor allem die beiden Bilder vom Dhaulagiri und Annapurna Sanctury haben mein Herz gerade a weng mehr pochen lassen, ganz wie Du es bereits vermutet hast.
    Welch eine schöne Reise, welch wundervollen Bilder !

    Siehst Du, irgendwie reisst mein Kontakt nach Nepal nie ab, wenn ich schon nicht dort hin komm so lese ich wenigstens immer mal mit 🙂

    Gruss
    Joerg