Schweiz 2010

Wie verhext wird das Wetter schlecht als wir Anfang Mai in die Schweiz aufbrechen wollen. Die Regenjacke wird erst garnicht mehr ausgezogen. „Letzte Woche hättet Ihr kommen sollen!“ hören wir die Schweizer immer wieder sagen, als wir durch die vernebelte Bergwelt rollen.

Ein Pass muss bald her, sonst wird’s deprimierend. Erst mal ein kleiner, denken wir uns und steuern auf den Pragelpass (1548 m) zu. Der ist aber noch gesprerrt. „Da kommen wir schon irgendwie rüber!“. „Irgendwie“ bedeutete in diesem Fall 9 Stunden Quälerei für 30 km und 500 Höhenmeter. Tragen, Schieben, nochmal Tragen, Fluchen, wieder zurück die anderen Taschen holen, noch mehr Fluchen und wieder zurück um das Rad zu holen. Nach jeder Kurve hätte es ja besser werden können. Aber es wurde immer schlimmer, die Schneeflächen länger und tiefer und die Füße immer eisiger.

In der französichen Schweiz ist jedes Dorf eine Überraschung. Man weiß nie ob man mit „Bonjour“ oder „Grüzie“ begrüßt wird. Die Leute sind sehr freundlich und schon bald entdecken wir die Schweizer Schokolade als hervorragenden Energielieferanten. 2 Tafeln pro Tag waren schnell weg. Abends werden Berner Würstl gegrillt und vom einheimischen Wein gekostet. Doch bald wird das Wetter wieder schlechter.

Und so sind wir irgendwann nur noch auf der Flucht. Vor den Gewittern im Rhonetal, den Schneesturm auf dem Simplonpass (2005 m), vor den italienischen Autofahrern und vor der eisigen Kälte im Engadin. Siehe da, wir sind schon im Inntal und, Schande über mich, der Zug ist einfach zu verlockend im verregneten Innsbruck. Im Fahrradabteil denke ich nochmal über die Tour nach. Keinen Eiger gesehen, Mont Blanc in den Wolken und mieses Wetter am Matterhorn. Naja, dann müssen wir halt nochmal in die Schweiz um all die hohen Pässe zu fahren, die wir verpasst haben.

Strecke: 1.100 km (der Chris wohl um einiges mehr)
Höhenmeter: 14.000 m (auch hier wohl mehr)
Pässe: Pragelpass (1.548 m), Brünigpass (1.008 m), Jaunpass (1.509 m), Col du Pillon (1.546 m), Col de la Forclaz (1.527 m), Simplonpass (2.005 m), Malojapass (1.815 m)

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